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9. August 2016

Virtual Reality im 16. Jahrhundert?

Die erstaunlich genaue Karte auf der Narrenkappe zeigt die damals bekannte Welt. Die Ähnlichkeit mit einer heutigen Virtual-Reality-Brille ist unübersehbar. Ob wir unsere Welt mit Hilfe einer vermeintlich exakten Karte sehen oder mit Virtual Reality, es ändert sich nichts an der Aussage der Karte:

Erkenne dich selbst.

Die anderen Inschriften auf der Narrenkappe zeigen die Selbsterkenntnis griechischer und römischer Denker:

Alle Menschen sind töricht. Wer hat keine Eselsohren?
Wie viel Leere gibt es in der Welt.
Alles ist eitel.

Die Karte des Narren stammt vermutlich aus dem Jahr 1590 – also im Westen nichts Neues? Im Licht der momentanen Entwicklungen scheint sich die Aussage der Karte zu bestätigen. Nur die Mittel haben sich verändert. Mit dem Smartphone können wir beispielsweise unsere Eitelkeit voll ausleben. Auf den sozialen Medien verkünden wir der Welt, was uns bewegt. Das gelang auch schon unseren Vorfahren – ganz analog, aber mit einem beschränkten Radius.
Die arg pessimistische Aussage der Narrenkappenkarte hilft vielleicht, unsere Sicht der Dinge und das Geschehen um uns herum etwas zu relativieren.

Das soll uns trotzdem nicht hindern, Informationen und Geschichten zu verbreiten! Ich helfe dabei, dass sich keine närrischen Fehler einschleichen – mit einem Faktencheck, einer redaktionellen Bearbeitung oder einem simplen Korrektorat.

Post-Bild: O Caput elleboro dignum, ca. 1590, Autor unbekannt. Bildquelle: gallica.bnf.fr

Die Karte des Narren hat Ähnlichkeit mit den Karten von Abraham Ortelius. Der flämische Kartograph Ortelius kam bei seiner Arbeit zum Schluss, dass die Kontinente wahrscheinlich durch Erdbeben und Fluten auseinandergetrieben wurden. Seine These gilt als erster schriftlicher Beleg zur Kontinentaldrift.

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Quelle: Weltkarte von Abraham Ortelius, 1570